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Vor 10 Jahren war's DIE GIRLBATS VON TEBE

Ein kühn durchdachtes Planspiel im Internet, das im Auftrag zweier Unternehmer und Altborussen von einem Werbeteam einen traditionellen Fußballclub einbezog, scheiterte an einem unvorhergesehenen Abstieg des Clubs. Sabine Schumann, Studentin in Berlin, gehörte zu den virtuellen, weiblichen Internet-Bats, die für eine clevere Geschäftsidee das erste Kapitel sein sollten. NNP: Sabine, wer gehörte zu diesen Bats und durch wen wurden sie gesteuert?

Wir sollten erst 11, also die Anzahl einer Fußballmannschaft darstellen, waren aber sechs. Vier davon traten offiziell im Internet auf. Ein nur bei Insidern bekannter Veteranenclub mit zumeist reichen Mitgliedern zog die Fäden, aus denen nach einem Aufstieg in die Bundesliga die eigentliche Geschäftsidee mit einem Musik- und Sportladen "LILA LADEN" in Berlin-Charlottenburg werden sollte.

NNP: Sie kommen aus einer reichen Berliner Familie, die zu den Clubsponsoren gehörte. War ihr Engagement in diesem Spiel Zufall?

Nein, alle Mädels wurden nach System ausgesucht, sie mußten alle ganz bestimmte Voraussetzungen mitbringen. Ich habe das Talent bestimmte Personen vor das Mikro zu bringen und sollte das auch mit den Profis von TeBe tun.

NNP: TeBe, das ist die Abkürzung von Tennis Borussia, einem traditionellen Fußballverein aus Berlin, der dort die Nummer 1 werden wollte?

Ja, die Nummer 2 war er ja schon. Wir sollten in seinem Fahrwasser schwimmen, für ein gutes Image sorgen und für ihn in aller Form werben.

NNP: Auch in Sachen Sex?

Sex als solcher wie im Internet durch geführt paßt hier nicht richtig. Ich würde aber sagen, Erotik sollte hier schon eine Rolle spielen, denn es gehörte ja zum Werbeziel innerhalb eines Jahres besonders viele Internet-Besucher anzulocken.

NNP: Warum gerade die Berliner Borussia?

Das hatte viele Gründe. TeBe hatte 1998 eine Supersaison in der damaligen Regionalliga abgeliefert, die beste, die je ein Team absolvierte. TeBe hatte die besten Sprücheklopper im Verein und die wenigsten Fans aller Zeiten. TeBe wurde von anderen gehasst wie kein zweiter Club und galt als eine Multi-Culti-Truppe, der man den von Bonzen gekauften Erfolg niemals gönnte. Das waren hervorragende Ansatzpunkte. Was man haßt, kann man lieben und hat oft das, was man haßt.

NNP: Wann starteten die Seiten im Internet?

Wir waren pünktlich zur Stelle als TeBe das entscheidende Spiel gegen Kickers aus Offenbach gewann und in die 2.Bundesliga marschierte. Wir mußten absolut anonym bleiben, denn nur Seiten mit den großen Unbekannten erwecken überall Interesse, umso mehr dann, wenn es sich um weibliche Fans in spärlich oder gar nicht bekleideter Darstellung handelt.

NNP: Haben Sie Geld dafür bekommen?

Natürlich, insbesondere aber die Mädels, die sich auf den Seiten unbekleidet zeigten und aus der Berliner Nachtszene stammten. Aber das war nur kurzfristig geplant, denn die Girlbats sollten ja später in der Öffentlichkeit auftreten.

NNP: Was hätte ein öffentlicher Auftritt von Ihnen bedeutet?

So genau wurde uns allen der Werbeplan nicht mitgeteilt, zumal Kapitel 2 mit der Öffentlichkeit nur nach dem Aufstieg von TeBe in die Bundesliga vorgesehen war. Aber wie mir bekannt, wären wir nach einem Aufstieg in jedem Fall mindestens die vierfache Menge an Girlbats gewesen, die dann jedem Spiel beigewohnt hätten. Wir hätten uns zur Fangemeinde geöffnet und mit ihnen gemeinsam für TeBe geschrien, gezittert und auch gekämpft. Viele von denen mochten uns ja schon, obwohl sie uns nicht persönlich kannten.

NNP: Der Verkaufsladen in Berlin, was sollte das werden?

Der Laden sollte wohl schon einen Namen wie ‚LILA LADEN‘ tragen, in Lila, der man 1998 die Modefarbe von 2000 voraussagte, gehalten sein und sowohl außergewöhnliche Sportkleidung wie Musikmode, HIP-HOP und ähnliches anbieten.

NNP: Wer stellte die Seiten ins Internet?

Das geschah von der Veteranenseite her, wir haben nur unsere Texte und Bilder abgeliefert.

NNP: Woher hatten Sie ihre Informationen, die eine Fan-Seite nun mal erfordert? Aus dem Club der Veteranen?

Ich würde nicht sagen, dass die Girlbat-Seite eine echte Fanseite von Tennis Borussia war. Sie sollte ja völlig anders als andere Seiten sein, also unkonventionell aber interessant. Das war nur mit Satire und Ironie zu erreichen, beides in Realität, Erfindung und Erotik verpackt. Entscheidende und wichtige Informationen hatten wir genug, da eine von uns einen hervorragenden Draht wegen verwandtschaftlicher Beziehungen zum Vorstand des Vereins und den Oldies von TeBe hatte.

NNP: Haben denn Sie und Ihre Freundinnen die eigenen Seiten regelmäßig im Internet betrachtet?

Als ich am Anfang unsere Internet-Seiten am heimischen PC anschaute, war ich enttäuscht. Das war mir zu primitiv. Aber das sollte wohl so sein: Nicht zu perfekt, es sollten ja fanatische Mädels sein, die mit allen Mitteln zu einem Verein halten. Wir wurden am Anfang etwas dumm dargestellt. Später wurden die Seiten, ohne dass es die Besucher merkten, nach und nach perfekter und besser. Allein die erotisch angehauchten Fotos holten mehr als 500 Surfer im Monat auf unsere TeBe-Fußballseiten. Hinzu kam, dass uns auch die Vereinsfarbe Lila gut zu Gesicht stand.

NNP: Hatten Sie Werbebanner auf der Seite?

Meist nur drei, die den Geschäftsleuten aus dem Kreis der Veteranen gehörten und aus dem Sport-, Mode- und Musikgeschäft kamen.

NNP: Was sagten die echten Fans zu Ihrem Auftritt im Internet, hatten Sie Kontakt zu ihnen?

Nein, erstens sollten wir ja anonym bleiben, es genügte also wenn wir einige Fans per Mail kontaktierten und zweitens nahmen die uns erst relativ spät wahr. Wie ich mich erinnere, wurden einige auf unsere Seiten erst durch gezielte Hinweise durch die Veteranen aufmerksam oder durch andere Fanseiten-Links zu uns geführt. Zu diesem Zeitpunkt kannten uns mehr Fans anderer Vereine als die von Tennis Borussia.

NNP: Und im Stadion, zum Beispiel bei den Heimspielen?

War höchstens eine von uns wegen der Fotos mit Digitalkamera da. Wir blieben brav anonym, sieht man von unseren Bildern im Internet ab.

NNP: Anonym mit Fotos im Internet. Geht das?

Ja und nein! Im ersten Jahr nach dem Aufstieg in die 2.Bundesliga ...

NNP: Das war 1998/1999 !

...ja, da hatten wir keinerlei Probleme. Durch unsere virtuellen Mailpostfächer beantworteten wir unsere Post, besonders kritische, lustige und ärgerliche Mails veröffentlichten wir. Das lief gut und machte Fun. Zwei von uns standen aber TeBe näher. Und die beiden wurden, auch wenn sie früher nie durch einen intensiven Fan-Auftritt aufgefallen waren, trotz der älteren Fotos auf den Seiten im Internet erkannt.

NNP: Wie kam das Ende?

Man kann es eigentlich kaum glauben, aber wir sind tatsächlich dreimal gestorben. Zuerst im Sommer 1999, wo die Seiten gestoppt wurden, da unsere Auftraggeber plötzlich glaubten, dass wir den Weg zur Geschäftsidee mit zu viel Sex verbauten. Als es dann gemäßigt weiter ging, wurden wir Monate später nochmals gestoppt, da man nun glaubte, dass die Geschäftsidee auf der Säule Tennis Borussia nicht genug fundamentiert schien.

NNP: Was hatte das für Gründe?

Den Veteranen wurden Gerüchte bekannt, dass der TeBe-Hauptsponsor, die Göttinger Gruppe, in betrügerische Geschäfte verwickelt sei. Als das dann einen Monat später in allen Zeitungen völlig publik wurde, sollten wir aufhören.

NNP: Und?

Das lehnten wir ab, weil wir die Seite nun weiter machen wollten und jetzt auch Spaß an der lila Laune hatten. Wir holten uns aus unserem Freundeskreis eine, die solche Websites locker organisieren konnte. Das nahmen uns die Veteranen übel, denn nur eine von uns hielt zu deren Geschäftsidee. NNP: Aber das Ende der ‚Fledermäuse‘ kam dann doch?

Ja, einige von uns wurden in den Wochen danach förmlich bedroht, man kann es schon terrorisiert nennen. Als die Presse unseren Webauftritt sichtete, schlossen die Pellegrinos unter Vorstandsdruck von TeBe unsere Seiten, einige hatten sogar Angst vor den Göttingern. Als dann aber die Sache mit dem unverständlichen Zwangsabstieg in die 3. Liga kam, hatten wir uns auch intern zerstritten und lösten uns schlagartig auf. Trotz alledem, eine geile Zeit war das schon!

NNP: Sabine, ich bedanke mich für dieses Gespräch!

13.1.08 14:22
 


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